Im frühen Stadium der Krankheit bemerkt der Patient keinerlei Symptome. Doch das Absterben der
Nervenfasern führt zu Gesichtsfeldausfällen, die sich allmählich im mittleren Sichtfeld
ausbreiten. Auch dies bemerkt der Betroffene zunächst nicht, da das jeweils andere Auge diese
Ausfälle ausgleicht. Erst wenn dies nicht mehr möglich ist, fällt der Gesichtsfeldausfall
(Skotom) auf. Bei einem weiteren Fortschreiten der Erkrankung fällt das Gesichtsfeld ganz aus
und auch die zentrale Sehschärfe ist betroffen. Deswegen liest man in den Medien häufig von der
schmerzfreien Erblindung.
Je früher die Therapie beginnt, desto mehr Nervenfasern können gerettet werden - bestenfalls,
bevor eine bleibende Schädigung eingetreten ist. Deshalb schlagen die Augenärzte ab dem 40.
Lebensjahr 2-3 jährliche Kontrollen
zur Glaukomvorsorge vor, um Sehproblemen im höheren Lebensalter vorzubeugen.
Früherkennung des Grünen Stars (Glaukomvorsorge)
Zur Verhinderung von vermeidbarem Sehverlust (Risiko steigt mit höherem Lebensalter an) sollten
Sie an diese Vorsorge denken:
- ab dem 40. Lebensjahr
- ab dem 30. Lebensjahr für dunkelhäutige Patienten
- für jeden Patienten mit Verwandten 1. Grades, die unter einem
Glaukom leiden
Bei dieser Vorsorge werden die vorderen Augenabschnitte, der Augeninnendruck, der Sehnerv und
bei Auffälligkeiten auch das Gesichtsfeld kontrolliert.
Stellungnahme der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft zur Glaukomvorsorge
Hintergrund :
In letzter Zeit wurde von verschiedener Seite teilweise missverständlich und zuweilen fehlerhaft
über den Nutzen der Glaukomvorsorge berichtet, wobei als Quelle auf die Bewertung des
IGeL-Monitor
u.ä. Quellen Bezug genommen wurde (siehe auch Süddeutsche Zeitung vom 21.04.2012). Um die
wissenschaftlichen Grundlagen darzustellen, die einer Empfehlung zur Glaukomvorsorge zugrunde
liegen, hat die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft als wissenschaftliche Gesellschaft der
Augenärzte die vorliegende Stellungnahme verfasst.
Zusammenfassung :
Beim Glaukom handelt es sich um eine chronisch fortschreitende Augenerkrankung, die lange Zeit
keine für den Patienten wahrnehmbaren Symptome hervorruft, bei Nicht- Behandlung aber bis zur
Erblindung fortschreitet und nur durch eine genaue Untersuchung des Sehnervs am Augenhintergrund
rechtzeitig erkannt werden kann. Die Früherkennung und Diagnose ist deshalb alleinige Aufgabe
des Augenarztes. Ein erhöhter Augeninnendruck ist weder Teil der Definition des Glaukoms noch
darf er mit der Erkrankung Glaukom gleichgesetzt werden. Wohl aber ist er der wichtigste
Risikofaktor (s. Pkt. 2.2.). Die Augeninnendruckmessung als Teil der Vorsorgeuntersuchung soll
klären, ob eine bereits diagnostizierte Schädigung des Sehnervs mit einer Erhöhung des
Augeninnendrucks einhergeht, was wiederum die Basis dafür bildet, wie stark der erhöhte (oder
grenzwertige) Augendruck durch die Behandlung gesenkt werden muss.
Ein erhöhter Augeninnendruck ohne Schädigung des Sehnervs (okuläre Hypertension) muss einer
regelmäßigen Kontrolle unterzogen werden, damit nicht langfristig aus dieser Situation ein
manifestes Glaukom entsteht. Insgesamt ist eine Vorsorgeuntersuchung der Volkskrankheit Glaukom
dringend geboten, da selbst in den Industrienationen die Dunkelziffer nicht erkannter
Glaukomerkrankungen inakzeptabel hoch ist.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist in den letzten Jahrzehnten durch Populationsstudien und
prospektive randomisierte Therapiestudien zweierlei „evidenz-basiert“ belegt worden:
- Durch gezielte augenärztliche Untersuchungen können vorher nicht
festgestellte Glaukome erkannt werden.
- Die therapeutische Senkung des Augeninnendrucks kann das
Fortschreiten der Glaukomerkrankung aufhalten und deshalb Sehvermögen retten.
Verknüpft man diese beiden Aussagen, dann ergibt sich schlüssig, dass eine
Früherkennung des Glaukoms die Häufigkeit der Sehschädigung durch Glaukom herabsetzen kann.
Unter diesen Umständen ist die Forderung, man müsse erst belegen, dass Glaukomvorsorge (z.B.
durch Screening) Erblindungen verhindern kann, wissenschaftlich unbegründet.
Therapie des Grünen Stars
Haupttherapieprinzip ist die Senkung des Augeninnendruckes. Zunächst wird versucht, den
Augeninnendruck mittels medikamentöser Therapie zu senken. Alternativ kann auch eine Verbesserung
des Abflusses des Kammerwassers mittels Lasertechnik (Lasertrabekuloplastik oder selektive
Lasertrabekuloplastik) erwogen werden. Gelingt es nicht, das Glaukom bei maximaler medikamentöser
Therapie ausreichend zu behandeln, d.h. der Zieldruckbereich wird nicht erreicht oder das Glaukom
schreitet weiter fort, muss die Durchführung einer Operation erwogen werden.
Zusätzlich sollte beim Vorliegen von Risikofaktoren die Durchblutung verbessert werden: Raucher
sollten möglichst den Nicotinkonsum minimieren oder besser aufhören. Kommt es bei einem
bestehenden Bluthochdruck zu nächtlichen Blutdruckabfällen, so sollte in Absprache mit dem
Internisten die Bluthochdrucktherapie optimiert werden. Manchmal ist es schon ausreichend, wenn
die Medikamenteneinnahme zeitlich umgestellt wird, z.B. mittags anstatt abends.
Messung der Nervenfaserdicke mit dem OCT
Kontrollen beim Grünen Star
Wichtig ist bei verordneten Medikamenten, meist Augentropfen, diese regelmäßig zu tropfen, da nur so
eine gleichmäßige Augeninnendrucksenkung erreicht werden kann. Bitte scheuen Sie sich nicht, Ihren
Augenarzt im Falle von Schwierigkeiten mit dem Tropfen oder Unverträglichkeiten anzusprechen! Der
Augeninnendruck sollte in der Regel alle 3 Monate kontrolliert werden. Bis jetzt gibt es leider noch
keine zuverlässigen Geräte, mit denen man dies selbst an sich messen kann.
Zusätzlich wird Ihr Augenarzt in regelmäßigen Abständen das Gesichtsfeld und den Sehnervenkopf
kontrollieren, um festzustellen ob glaukomatöse Schäden (sichtbar an einer krankhaften Delle im
Sehnervenkopf) evtl. zunehmen und die verordnete Therapie angepasst werden muss. Die Kontrolle
des Sehnerven erfolgt mit der sog. Ophthalmoskopie an der Spaltlampe in der Praxis. Wesentlich
genauer als diese Kontrolle „nach Augenmaß“ ist die lasergestützte dreidimensionale objektive
Vermessung des Sehnervenkopfs mit dem HRT Retinatomographen und / oder die Messung der
Nervenfaserdicke mit dem OCT.
Mindestens einmalig sollte jeder Patient mit erhöhtem Augeninnendruck oder Glaukom die Dicke
seiner Hornhaut messen lassen (Pachymetrie), da diese wichtige Aufschlüsse zu Augeninnendruck
und Risiko einer Glaukomprogression liefern kann.
Fortschreiten eines Glaukomschadens in der HRT Messung, erkennbar an den zunehmenden roten
Flächen